Niedrige Wasserstände, freiliegende Kiesbänke und vertrocknete Uferabschnitte – solche Bilder häufen sich in den letzten Jahren entlang deutscher Flüsse wie Rhein, Elbe oder Donau. Längere Hitzeperioden und ausbleibender Regen setzen den Ökosystemen in und an den Gewässern spürbar zu.
Zum Internationalen Tag der Flüsse am 24. September wird deutlich, wie stark Klimaextreme die Lebensräume beeinflussen – und welche Rolle Renaturierung dabei spielt, Artenvielfalt zu schützen und Hochwassergefahren zu mindern.
Sinkende Pegelstände haben Folgen, die weit über die Schifffahrt hinausgehen. Erwärmtes Wasser enthält weniger Sauerstoff, was für viele Fischarten lebensbedrohlich werden kann. Vor allem kälteangepasste Arten wie Forellen oder Äschen geraten in Stress, wenn die Wassertemperaturen über längere Zeit deutlich ansteigen.
Hohe Temperaturen erhöhen zudem das Krankheitsrisiko und schränken Rückzugsmöglichkeiten ein, da Nebengewässer und kühlere Flussarme bei Niedrigwasser oft nicht mehr erreichbar sind. Den Aal zieht es beispielsweise in den Sommermonaten häufig in die Altrhein-Arme, weil dort das Wasser deutlich kühler ist und es mehr Schatten gibt. Bei zu geringen Pegelständen ist den Fischen allerdings der Weg dorthin abgeschnitten.

Die gute Nachricht: Anders als zunächst befürchtet, führten die extremen Bedingungen im Hitzesommer 2024 nicht zu einem massenhaften Fischsterben in Deutschlands Flüssen. Die Fischbestände sind erst dann bedroht, wenn mindestens 40 Tage in Folge ein Wert von 25 Grad Celsius überschritten wird, wie das Büro für fisch- und gewässerökologische Studien in Frankfurt/Main erklärte.
Forscher*innen gehen davon aus, dass die Kombination aus Hitze und Trockenheit infolge des Klimawandels zukünftig häufiger auftreten wird. Besonders Rhein und Donau könnten dann häufiger von Niedrigwasserperioden betroffen sein. Das liegt vor allem daran, dass sich die beiden Flüsse aus Niederschlägen, Gletscher- und Schmelzwasser sowie kleineren Nebenflüssen speisen. Das Problem: Niederschläge bleiben aufgrund von Trockenperioden aus, die Gletscher in den Alpen schmelzen immer weiter ab und die Nebenflüsse führen bei starker Hitze zu wenig Wasser oder trocknen sogar komplett aus. Das Ökosystem in den Flüssen stellt dies vor eine harte Probe.
Nach aktuellen Schätzungen der Organisation The Ocean Cleanup werden jährlich tausende Kilos Plastik über deutsche Flüsse in Nord- und Ostsee gespült. Das meiste Plastik gelangt dabei über die Elbe in die Nordsee: 41.700 Kilogramm pro Jahr. Bis sich Plastik zersetzt, dauert es Jahrhunderte. Es zerfällt dabei in immer kleinere Teile, die der Umwelt aber dauerhaft erhalten bleiben und eine tödliche Bedrohung für die Tiere darstellen. Selbst diese Mikroplastikpartikel können je nach Größe des Lebewesens zu Verletzungen des Verdauungstraktes führen oder die Nahrungsaufnahme blockieren.
All die genannten Faktoren stellen eine Bedrohung für das ökologische Gleichgewicht in den Flüssen dar. Um diesen Trend zu stoppen und wichtige Lebensräume zu erhalten, hat die Bundesregierung im Jahr 2017 das Förderprogramm „Blaues Band Deutschland“ auf den Weg gebracht. Damit sollen Flüsse und angrenzende Auenlandschaften in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden.
In den zurückliegenden Jahren konnten mit den Fördergeldern bereits mehrere solcher Renaturierungsprojekte umgesetzt werden. In der rheinland-pfälzischen Ortsgemeinde Bretzenheim wurde an der Nahe beispielsweise ein Deich zurückgebaut. Auf diese Weise entstand ein 50 Hektar großer Naturraum. Der mehr als 120 Kilometer lange Nebenfluss des Rheins bietet nun an dieser Stelle seltenen Fischarten wie Bitterling oder Groppe einen Rückzugsort und mit seinen dicht bewachsenen Flachwasserzonen einen idealen Laichplatz zur Fortpflanzung.
Im Zuge der Industrialisierung und des wachsenden Schiffverkehrs wurden viele Flüsse in ein künstliches Korsett gezwungen. Ufer wurden begradigt, einbetoniert oder gestaut. Das führt dazu, dass bei Hochwasser das Wasser nicht mehr zur Seite ausweichen kann. Es fließt aufgrund der Einengung – wie in einem Kanal – sogar noch schneller flussabwärts.
Renaturierungsmaßnahmen zielen darauf ab, Flüsse in ihren natürlichen Zustand zurückzuführen oder zumindest naturnahe Bedingungen wiederherzustellen. Dies kann durch die Entfernung von Barrieren wie Wehren oder Dämmen, die Wiederherstellung natürlicher Uferstrukturen und die Schaffung von Überflutungsflächen geschehen.
Solche Maßnahmen leisten nicht nur einen Beitrag zum Hochwasserschutz, sie mildern auch Niedrigwasserperioden ab. Durch die Wiederherstellung von Auenlandschaften wird außerdem die Wasserqualität verbessert, da diese Flächen als natürliche Filter wirken und Schadstoffe abbauen.
Es ist also wichtig, dass wir weiterhin in solche Maßnahmen investieren, um die Zukunft unserer Flüsse und der darin lebenden Arten zu sichern.
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