Auf der Erde gibt es eine immense Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten, schätzungsweise acht Millionen Arten, von denen bislang nur ein Bruchteil wissenschaftlich beschrieben wurde. In den letzten Jahrzehnten nahm diese Vielfalt jedoch dramatisch ab. Parallel steigt die Zahl der Arten, die gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind.
Als zentrales Instrument zur Einschätzung globaler Gefährdung führt die Internationale Rote Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzorganisation IUCN Arten nach ihrem Risiko auf. Die neueste Aktualisierung (Stand: 10. Oktober 2025) erfasst weltweit 172.620 Arten, von denen mehr als 48.600 in den bedrohten Kategorien stehen.

Auch in Europa verschärft sich die Lage: Bei vielen Insektengruppen wie Wildbienen und Schmetterlingen hat sich die Zahl der gefährdeten Arten in den letzten Jahren deutlich erhöht. Eine neuere Bewertung zeigt, dass die Anzahl der in Europa bedrohten Wildbienenarten in etwa zehn Jahren deutlich gestiegen ist, was auf Lebensraumverlust, intensive Landwirtschaft, Einsatz von Pestiziden und Klimawandel zurückgeführt wird.
Angesichts dieser Entwicklung kommt es mehr denn je darauf an, die Vielzahl an unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten konsequent zu schützen – egal ob in Europa oder auf anderen Kontinenten. Das Zusammenspiel der Lebewesen in der Natur hat nämlich entscheidende Auswirkungen auf unser Ökosystem. Pflanzen liefern beispielsweise Nahrung und Wirkstoffe für Arzneimittel. Zudem fungieren sie als Klimaregulator, indem sie mittels Fotosynthese der Atmosphäre Kohlendioxid entziehen und Sauerstoff freisetzen.
Ein funktionierendes und widerstandsfähiges Ökosystem funktioniert allerdings nur, wenn es eine möglichst große Artenvielfalt gibt. Der Grund: Tiere und Pflanzen sind auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden und stark voneinander abhängig. In diesem Geflecht füllt jede Spezies ihre Rolle aus – mag diese auch noch so unscheinbar sein. Schon das Aussterben einer Pflanze kann eine Kettenreaktion auslösen und Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette haben.
Doch was waren die Gründe für den rasanten Schwund der Artenvielfalt zuletzt? Einer der Gründe ist der zunehmende Flächenbedarf der Menschen, dem oftmals der Lebensraum von Tier- und Pflanzenarten zum Opfer fällt. Naturlandschaften wie Wälder, Weiden, Wiesen oder Flüsse mussten immer wieder Gebäuden, Straßen oder landwirtschaftlichen Nutzflächen weichen.
Apropos Landwirtschaft: Immer häufiger wird inzwischen auf Feldern nur noch eine Pflanzensorte angebaut – wie beispielsweise Mais oder Weizen. Auch diese Monokulturen haben negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt, denn Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten sind auf viele verschiedene Blühpflanzen angewiesen, um zu überleben. Auf Monokultur-Äckern finden sie jedoch nicht mehr dieses variantenreiche Angebot vor.
Lange Zeit unerforscht im Zusammenhang mit dem Biodiversitätsverlust blieb die Rolle von sogenannten invasiven Arten. Dabei geht es um gebietsfremde Tiere und Pflanzen von anderen Kontinenten, die sich außerhalb ihres angestammten Lebensraumes ausbreiten und dadurch heimische Arten verdrängen und das bestehende Ökosystem beeinträchtigen. Im September 2023 vermeldete der Weltbiodiversitätsrat in einem Bericht, dass beim Aussterben von Tier- und Pflanzenarten in etwa 60 Prozent der Fälle invasive Arten einen entscheidenden Einfluss hatten.
In einigen Regionen Europas breiten sich invasive Arten aus und gefährden den heimischen Bestand an Arten. So etwa die Asiatische Hornisse, die Honigbienen angreift, was Imkerverbände vor Herausforderungen stellt. Auch der Waschbär aus Nordamerika ist in Deutschland weit verbreitet: Seine Auswirkungen auf heimische Arten werden von Wissenschaft und Naturschutzorganisationen kontrovers diskutiert.
Um den Artenschwund einzudämmen und die Biodiversität langfristig zu erhalten, haben die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN) auf der Artenschutzkonferenz im kanadischen Montreal beschlossen, bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen und damit wichtige Lebensräume zu retten.
Dass solche Maßnahmen erfolgreich verlaufen und sich Tier- oder Pflanzenpopulationen erholen können, zeigt das Beispiel Wisent. Das bis zu einer Tonne schwere Wildrind stand vor mehr als 100 Jahren kurz vor dem Aussterben. Viele Länder stellten anschließend den Wisent unter besonderen Schutz und initiierten Wiederansiedlungsprojekte. Nach aktuellen Angaben der Umwelt- und Naturschutzorganisation WWF Deutschland konnte dadurch die Zahl der weltweit lebenden Tiere auf mehr als 7.200 erhöht werden.
1. Eine Blühwiese anlegen
Eine Blühwiese aus zahlreichen unterschiedlichen Wildblumen wie beispielsweise Hornklee oder Klatschmohn sind die ideale Nahrungsquelle für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten.
2. Winterquartiere anlegen
Auf unkomplizierte Weise lassen sich im eigenen Garten Winterquartiere für heimische Tierarten gestalten. Igel überwintern beispielsweise häufig in Laubhaufen oder Holzstapeln, während Bienen in verblühten Gehölzen Unterschlupf finden. Deshalb sollte auch im Herbst nicht alles komplett zurückgeschnitten werden.
3. Eine Ecke wuchern lassen
Unkräuter sind zwar oftmals zwischen den bunt blühenden Pflanzen nicht schön anzusehen. Doch sie spielen in unserem Ökosystem eine wichtige Rolle. So sind verschiedene Schmetterlingsarten zum Beispiel auf Brennnesseln als Nahrungsgrundlage angewiesen.
4. Wasserquellen schaffen
Ein kleines Gewässer im eigenen Garten zieht viele verschiedene Tiere an. Denn alle Spezies brauchen Wasser zum Überleben. Solch ein Biotop ist für Frösche, Molche, Libellen, Wasserläufer und andere Insekten ein wichtiger Lebensraum.
5. Schädlinge und Unkraut nicht mit Chemie bekämpfen
Auf den Einsatz von chemischen Mitteln bei der Schädlings- und Unkrautbekämpfung sollte verzichtet werden, auch wenn Blatt- und Schildläuse oder Kartoffelkäfer und Raupen an den Pflanzen nicht schön anzusehen sind oder sogar die Ernte verringern. Laut Tierschutzorganisation WWF helfen häufig schon natürliche Fressfeinde wie Marienkäfer oder Schlupfwespen sowie biologische Hilfsmittel wie zum Beispiel Kaffee oder Brennnesseljauche.
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