Die Bilder aus den Hochgebirgsregionen gleichen sich weltweit: Wo sich einst Eis und Schnee über mehrere Quadratkilometer große Flächen erstreckt haben, sind inzwischen vielerorts nur noch Schutt und Geröll übrig geblieben. Sehr deutlich wird dies in den Alpen — eine Region, in der die Auswirkungen der globalen Erwärmung besonders stark sind.

Eine aktuelle Studie der Universität Zürich für die europäischen Alpen zeigt: Seit dem Höhepunkt der Kleinen Eiszeit (etwa 1850) haben Gletscherfläche und -Volumen dramatisch abgenommen. Die Forschenden schätzen einen Volumenverlust von rund 64 Prozent. Ein weiterer Bericht von swissinfo.ch sagt voraus, dass die Gletscher im Alpenraum bis 2050 noch zwischen 34 und 50 Prozent ihres heutigen Eisvolumens verlieren könnten – selbst bei optimistischen Klimaszenarien.
Weltweit hat im Zeitraum 2012–2023 die Abschmelzrate der Gletscher laut des Wissenschaftsmagazins „nature“ um etwa 36 Prozent zugenommen gegenüber dem Zeitraum 2000–2011. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Gletscherschwund kein europäisches Phänomen, sondern eine systemische Folge des globalen Klimawandels ist.
Der Rückgang der Gletscher lässt sich auch in Deutschland beobachten. Im Jahr 2022 war der Südliche Schneeferner auf dem Zugspitzblatt bereits soweit abgeschmolzen, dass er seinen Status als Gletscher verlor. Ähnliches droht künftig auch den noch vier verbleibenden Gletschern Deutschlands.
Expert*innen prognostizieren, dass bis zum Jahr 2035 sowohl der Blaueis- und Watzmanngletscher bei Berchtesgaden als auch der Nördliche Schneeferner und der Höllentalferner im Wettersteingebirge eisfrei sein werden. Aktuelle Beobachtungen bestätigen diesen Trend (zdfheute.de).
Neben höheren Temperaturen führen auch andere Faktoren zum schnellen Abschmelzen der Gletscher. Normalerweise schützt eine hohe Schneedecke das darunter liegende Eis, indem sie Sonnenlicht reflektiert und die starke Erwärmung des Eises verzögert. Doch immer häufiger fehlen ausreichende Schneefälle im Winter. Dadurch wird die schützende Schicht dünner und das Eis schmilzt schneller.
Durch den Klimawandel schmelzen nicht nur die Gletscher, sondern auch der Permafrost taut. Im Inneren der Berge liegt die Temperatur meist unter dem Gefrierpunkt. Das bedeutet, dass das Eis das Gestein wie Zement zusammenhält. Doch je stärker der Permafrost nun taut, desto instabiler werden die Berge. Forschende rechnen damit, dass deshalb im Hochgebirge Lawinen aus Schlamm und Geröll, sogenannte Muren, sowie Felsstürze zunehmen werden.
Genau solch ein Bergsturz ereignete sich Ende Juni 2023 nahe Galtür an der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz, als der Südgipfel des knapp 3.400 Meter hohen Fluchthorns abbrach und rund 100.000 Kubikmeter Gestein in die Tiefe stürzten. Geolog*innen sind sich nach diversen Untersuchungen inzwischen sicher, dass der Felssturz durch die Permafrost-Schmelze ausgelöst wurde. Dem Hochvogel im Oberallgäu an der Grenze zwischen Bayern und Tirol droht ein ähnliches Szenario. Den Gipfel des mehr als 2.500 Meter hohen Berges durchzieht ein mehrere Meter breiter Riss, der stetig wächst. Forschende der TU München überwachen deshalb bereits seit einigen Jahren die Bewegungen im Gestein mithilfe von Sensoren, um Prognosen zum Zeitpunkt eines möglichen Bergsturzes treffen zu können.
Durch den Temperaturanstieg und das Abschmelzen der Gletscher in den Alpen verändert sich nicht nur die Landschaft, sondern auch die Funktion als größtes Süßwasserreservoir Europas ist gefährdet. Gletscher speichern viel Wasser und geben es nach und nach frei. Im Winter sammelt sich Wasser als Schnee, im Frühling und Sommer schmilzt dieser, speist Bäche und fließt ins Tal.
Viele große, europäische Flüsse entspringen in den Höhenlagen der Alpen – wie zum Beispiel der Rhein, der Po oder die Rhone. Ziehen sich die Gletscher immer weiter zurück oder verschwinden in absehbarer Zeit sogar komplett, hat das auch Folgen für die Wasserversorgung von Städten und Gemeinden entlang dieser Flüsse. Neueste Untersuchungen warnen, dass die schwindenden Gletscher nicht nur die Wassermengen in diesen Flusssystemen verringern könnten, sondern auch langfristig zu Wasserknappheit in Europa beitragen können.
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