Der Tag der Tropenwälder am 14. September macht auf die voranschreitende Zerstörung dieser Naturlandschaften und deren Bedeutung für Artenvielfalt und Klimaschutz aufmerksam.
Seit 1989 findet jährlich am 14. September der Tag der Tropenwälder statt, dem Geburtstag des Amazonas-Forschers Alexander von Humboldt. In keinem anderen Landökosystem auf der Erde leben so viele unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten wie in den Tropenwäldern. Sie sind buchstäblich Schatzkammern der Biodiversität. Um die Besonderheit dieses Lebensraumes zu verstehen, ist ein Blick auf die dort vorherrschenden klimatischen Bedingungen sowie den Aufbau der Flora und Fauna nötig.
Tropenwälder befinden sich zwischen dem nördlichen und südlichen Wendekreis – entlang des Äquators in Südamerika, Afrika und Südostasien. Dort herrschen ganzjährig hohe Temperaturen (durchschnittlich über 20 °C) und zentrale Niederschläge von deutlich über 2.000 mm pro Jahr. Charakteristisch ist ein ausgeglichenes Klima, was stabile Lebensbedingungen für Flora und Fauna schafft.
Aufgrund dieser beständigen Verhältnisse fallen die Jahreszeiten nicht annähernd so ausgeprägt aus wie zum Beispiel in Europa. Pflanzen und Tiere müssen sich in diesen immer feuchten, immer warmen Regionen dementsprechend nicht an kalte Winter oder trockene Sommermonate anpassen, sondern profitieren von dauerhaft gleichbleibenden Temperaturen.

Dieses Klima bietet einen optimalen Lebensraum für zahlreiche Spezies, die in den verschiedenen Stockwerken der Tropenwälder leben. Die Vegetation teilt sich in fünf Etagen auf, von der Krautschicht knapp über dem Boden bis zu den riesigen Urwaldbäumen, die bis zu 80 Meter hoch werden. Jede Etage stellt eine eigene Nische für Tiere und Pflanzen dar.
Die tropischen Wälder gelten als Hotspots der Biodiversität. In der „Greater Mekong“ Region (Vietnam, Thailand, Kambodscha, Laos, Myanmar) wurden allein im Zeitraum 2023 rund 230 neue Tier‑ und Pflanzenarten entdeckt: darunter 173 Gefäßpflanzen, 26 Reptilien, 17 Amphibien, 15 Fische und 3 Säugetiere. Insgesamt sind seit 1997 etwa 3.623 neue Arten dokumentiert worden.
Zu den skurrilsten Entdeckungen zählen laut tagesschau-Bericht vom Dezember 2024 beispielsweise ein „Vampir‑Igel“ (Hylomys macarong), die „Game-of‑Thrones‑Eidechse“ (Laodracon carsticola), die grün-schwarze Kalkstein-Grubenotter (Trimeresurus ciliaris) oder die Rhabdophis hmongorum, eine hochalpine Wassernatter, entdeckt auf fast 2.800 m Höhe.
Tropenwälder sind bedeutende Kohlenstoffsenken. Sie nehmen Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre auf und speichern es in ihrer Biomasse (Stämme, Äste, Blätter und Wurzeln) sowie im Boden. Es wird geschätzt, dass Tropenwälder etwa 25 Prozent des weltweiten CO2 speichern. Diese Fähigkeit zur Kohlenstoffbindung hilft, die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre zu reduzieren, was entscheidend für die Minderung des Klimawandels ist.
Diese einzigartige Biosphäre ist jedoch zunehmend bedroht. Exemplarisch für diese Entwicklung steht der Amazonas, der mit mehr als sechs Millionen Quadratkilometern Fläche der größte zusammenhängende Regenwald der Erde ist. In den letzten vier Jahrzehnten jedoch wurden im Amazonasgebiet rund 88 Mio. Hektar zerstört – etwa die Fläche von Deutschland und Frankreich zusammen.

Der Verlust an Tropenwaldfläche weltweit war im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr etwas rückläufig. Dennoch: die verlorene Fläche von ca. 37.000 Quadratkilometer tropischen Urwalds weltweit war 2023 größer als z. B. die Fläche Baden-Württembergs. Der Hauptgrund für die Abholzung liegt in der wirtschaftlichen Nutzung der Tropenwälder. Ganze Landstriche werden gerodet, um sie später zu Weideflächen für die Viehzucht oder zu Soja- und Palmölfeldern umzuwandeln. Diese Entwicklung betrifft nicht nur den Amazonas, sondern auch das Kongobecken in Afrika sowie viele weitere Gebiete der Tropen.
Aufgrund dieser Entwicklungen rückt der Schutz der Tropenwälder immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Länder wie Malaysia und Indonesien konnten durch strenge Regelungen bereits erste Erfolge verbuchen und die Abholzung laut World Resources Institute in Washington D.C. massiv begrenzen. Darüber hinaus machte eine 2021 veröffentlichte internationale Studie der niederländischen Universität Wageningen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Hoffnung.
Demnach können sich Tropenwälder von solchen Kahlschlägen dauerhaft erholen. Die Forscher*innen untersuchten dafür mehr als 2.000 Waldstücke in Amerika und Afrika. Auf dieser Grundlage beurteilten sie anhand mehrerer Kriterien die Regenerationsfähigkeit der Landschaften. Das Ergebnis: Nach 20 Jahren weisen nachwachsende Tropenwälder wieder 80 Prozent ihrer ursprünglichen Merkmale auf.
Aktuelle Studien und Projekte zur Aufforstung der Regenwälder unterstreichen die Bedeutung dieser Maßnahmen. Ein Bericht von Mongabay.com aus dem Jahr 2024 hebt die Fortschritte bei der Aufforstung von Regenwäldern hervor, die durch verbesserte Datenerhebungen und Satellitenüberwachungen unterstützt werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Tropenwälder eine wesentliche Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen, indem sie als bedeutende Kohlenstoffsenken fungieren, den Wasserzyklus regulieren, die Erdoberfläche kühlen, die Biodiversität unterstützen, die Bodenerosion verhindern, Extremwetterereignisse mindern und zum globalen Kohlenstoffkreislauf beitragen. Der Schutz und die Wiederherstellung dieser Wälder sind daher von größter Bedeutung für die Stabilisierung des globalen Klimas.
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