Siegel Weltweite Bildungskrise? Ein Blick über den Globus zum Weltkindertag

Das Recht auf Bildung ist in den Menschenrechten verankert. Und trotzdem gibt es viele Kinder, die nicht zur Schule gehen können. Die Coronapandemie hat weltweit die ohnehin bereits vorhandene Bildungskrise weiter verschärft. Welche Probleme anderen Ländern zu schaffen machen? Eine Übersicht zum Weltkindertag am 20. September:     

Nach Angaben der UNESCO gehen weltweit rund 260 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule. Davon sind circa 64 Millionen Kinder im Grundschulalter und 195 Millionen Kinder und Jugendliche im Sekundarschulalter. Im Vergleich zur Jahrtausendwende, als mehr als 350 Millionen junge Menschen keinen Zugang zu Bildung hatten, ist diese Zahl zuletzt deutlich zurückgegangen. Doch das Ziel, das die Vereinten Nationen (UN) ausgegeben haben, ist noch lange nicht erreicht. 

Bis zum Jahr 2030 wollen die UN allen Jugendlichen einen mittleren Bildungsabschluss ermöglichen. Darauf legte sich die Weltgemeinschaft im Jahr 2015 fest, als die globalen Nachhaltigkeitsziele in der Agenda 2030 beschlossen wurden. Konkret heißt es darin, dass die UN weltweit allen Kindern eine hochwertige und chancengerechte Bildung sowie lebenslanges Lernen bieten will.

Bildungsnotstand durch fehlende Lehrkräfte und Schulen

Dieses Vorhaben rückt das ohnehin schon seit 1948 existierende Recht auf Bildung nochmals in den Vordergrund. Damals formulierten die UN diesen Grundsatz in Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Doch besonders in Entwicklungsländern in Asien oder Afrika ist Bildung noch immer ein Privileg. Oftmals fehlen Eltern schlicht die finanziellen Mittel, um ihren Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen oder Schulbücher und andere Unterrichtsmaterialien zu besorgen. 

Hinzu kommt, dass es in vielen Regionen dieser Länder nicht genügend Schulen gibt. Kinder, die in ländlichen Regionen aufwachsen, müssen morgens zu Fuß häufig sehr weite und auch gefährliche Strecken zurücklegen, um zur nächstgelegenen Schule zu kommen. Auch ein Mangel an Lehrkräften, übervolle Klassen, Konflikte, Kriege sowie mangelhafte Qualität des Unterrichts und fehlende weiterführende Bildungsangebote stellen ein erhebliches Problem dar.

Zahl der Privatschulen in Afrika wächst

Darüber hinaus sorgen fehlende finanzielle Mittel im Staatshaushalt, hohe Staatsschulden, wechselnde Regierungsführungen und Korruption dafür, dass in manchen Entwicklungsländern staatliche Schulsysteme nicht funktionieren. In den vergangenen Jahren wurden deshalb vor allem in Afrika immer mehr Privatschulen gebaut – mit der finanziellen Unterstützung von Kirchen, Geschäftsleuten und Nichtregierungsorganisationen, sogenannten NGOs.

Unumstritten ist dieses Modell nicht. Denn nach wie vor müssen Eltern einen Großteil ihres Einkommens für Schulgebühren ausgeben. Gewerkschaften für Lehrkräfte und viele lokale Bildungsaktivist*innen sehen in den Privatschulen ein Geschäft, das auf dem Rücken der Ärmsten ausgetragen wird. Fakt ist allerdings auch: Die kommerziellen Schulen setzen sich zunehmend durch. Und die Kinder an diesen privaten Bildungseinrichtungen erzielen bei Prüfungen deutlich bessere Ergebnisse als Kinder und Jugendliche in öffentlichen Schulen.

Die Auswirkungen der Coronapandemie haben den Bildungsnotstand in manchen Entwicklungsländern allerdings noch weiter verschärft. Schätzungen zufolge konnten zu Beginn der Pandemie mehr als 160 Millionen Kinder, die vorher regelmäßig zur Schule gegangen sind, ein Jahr lang keinen Unterricht besuchen, weil die Schulen geschlossen waren. Noch weitaus dramatischer: Viele Kinder in ärmeren Ländern mussten arbeiten gehen, um ihre wegen der Pandemie in Not geratene Familie zu unterstützen.

Coronapandemie befeuert auch Bildungsprobleme in Deutschland

Auch hierzulande ist die Bildungsdebatte aktueller denn je. Denn Unterrichtsausfälle, Homeschooling und Schulschließungen haben zu erheblichen Lernrückständen geführt. Dies zeigt eine Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) im Auftrag der Kultusministerkonferenz. Das IQB testete dafür im Jahr 2021 rund 30.000 Schulkinder der vierten Klasse auf ihre Leistungen in Deutsch und Mathematik.

In der Studie heißt es: „Im Vergleich zum Jahr 2016 entsprechen die Kompetenzrückgänge etwa einem Drittel eines Schuljahres im Lesen, einem halben Schuljahr im Zuhören sowie jeweils einem Viertel eines Schuljahres in der Orthografie und im Fach Mathematik.“ Gerade leistungsschwächere Kinder, die zu Hause wenig Unterstützung beim Lernen hatten, verloren noch stärker den Anschluss.

Um diesem Bildungsungleichgewicht entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr das Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ beschlossen – mit einem Investitionsumfang von zwei Milliarden Euro. Das Ziel lautet unter anderem, die aufgetretenen Lernrückstände durch Nachhilfe- und Förderprogramme wieder abzubauen.

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